Literatursalon im Gemeindebau
RÉGIS JAUFFRET
Claustria
Der „Fritzl“-Roman über die Kellerkinder von Amstetten war vergangenen Jänner die Literatursensation in Frankreich.
Der vom französischen Feuilleton hochgelobte Roman erscheint nun in deutscher Übersetzung im vom erfolgreichen Salzburger Ecowin-Verlag gegründeten Verlag Lessingstrasse 6. Im Wettstreit mit zwanzig deutschsprachigen Verlagen erhielt Lessingstrasse 6, bisher auf das Genre des erzählenden Sachbuchs spezialisiert, den Zuschlag.
Im Gemeindebautheater feiert dieses Werk nun seine deutschsprachige Premiere - in Anwesenheit des Autors, die deutschen Texte wird Nikolaus Ofczarek lesen. Moderiert wird der Abend vom
Österreich-Korrespondenten der NZZ Charles Ritterband.
Der französische Schriftsteller Régis Jauffret, mit dem angesehenen „Prix Femina“ - ausgezeichnet, hat sein Buch „Claustria“ genannt – eine Kontraktion aus „Klaustration“ und „Austria“. Auf 550
Seiten entwickelt Jauffret, aus der Sicht von Josef F.s Kindern, angesiedelt im Jahr 2055, seine Version der Ereignisse. Im Zentrum des Romans steht die Tochter Angelika. Jauffret hat bis auf
Josef F. alle Namen verändert.
„Ich habe eine Parallele zu Platons Höhlengleichnis gezogen, habe mir gesagt, letztlich ist die Geschichte von Josef F. der Mythos der Höhle von Platon, wie Platon es nicht schreiben konnte, weil
es zu jener Zeit kein Fernsehen gab. In Platons Höhle sind es angekettete Menschen, die das Draußen nie zu Gesicht bekommen haben, aber davon Schatten sehen. Hier haben die im Verlies
eingeschlossenen Kinder bis zum Alter von 19, 18 und 5 die Realität nur durch Fernsehbilder gesehen. Diese Art, alles über unsere Realität zu wissen, ohne sie je gespürt zu haben, ohne
selbst die Luft geatmet zu haben, erschien mir einzigartig in der Geschichte der Menschheit.“
„Régis Jauffret hat langwierige Untersuchungen betrieben, Zeugen befragt, die sich versteckt hatten, jene Orte besucht, die die Schauplätze des dantesken Dramas bildeten, aber vor allem
bewerkstelligt er diese literarische Arbeit, ohne jene Selbstgefälligkeit an den Tag zu legen, die sich am Unaussprechlichen des Erzählten ergötzt. Er beschreibt den Sachverhalt mit der Präzision
eines Ermittlers, der erkundet, was sich hinter dem Augenscheinlichen verbirgt.“ Le Monde
Bestürzt durch die Ungeheuerlichkeit der Vorfälle, angezogen vom zurückhaltenden Ton und dem fieberhaften Stil des Erzählers, wird der Leser mitgerissen, wie berauscht von dieser wahnsinnigen
Geschichte. L’Express
| Termin: | 24. September 2012 |
| Beginn: | 19.00 Uhr |
| Preise: | € 15,- / 12,- |
| Deutsche Texte: | Nicholas Ofczarek |
| Moderation: | Charles Ritterband |


